Je besser Vorgesetzte kommunizieren, umso stärker ist das Vertrauen – gegenüber der Führungskraft, vor allem aber auch ins Unternehmen. Das wiederum führt zu loyalen Mitarbeitenden, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, stolz darauf sind. Und schließlich erhöht sich die Produktivität im Unternehmen, denn motivierte Mitarbeitende tun alles dafür, einen guten Job zu machen.
1. Warum Führungskräfte heute mehr kommunizieren müssen
Führung besteht heute größtenteils aus Kommunikation. Und das beginnt bereits auf der untersten Führungsebene, also den Frontline-Managern. Aus meiner Praxis weiß ich, dass sie stark im Tagesgeschäft eingebunden sind. Kommunikation mit den Teammitgliedern passiert nebenbei und eher zufällig. Oft fehlt die Zeit, Themen auf den Punkt zu bringen.
Eine Führungskraft kommuniziert immer: in Meetings, in persönlichen Gesprächen, über E-Mails, Messenger oder auch bei Präsentationen. Umso wichtiger ist es, die Kommunikation so auszurichten, dass sie verstanden wird und ankommt.
Wirtschaftliche Unsicherheiten in Unternehmen, Künstliche Intelligenz, Veränderungsprozesse oder Krisen erhöhen den Kommunikationsbedarf immens. Schriftliche Unternehmenskommunikation reicht nicht aus, da hier auf die persönliche Situation einzelner nicht eingegangen werden kann. Mitarbeitende wollen verstehen, was eine kritische Information für sie persönlich bedeutet. Warum sich überhaupt etwas verändert. Und besonders wichtig: Was wird von mir erwartet? Dies alles kann vor allem der direkte Vorgesetzte klären.
Umso wichtiger ist es, dass Führungskräften von Anfang an klar ist, dass Kommunikation zu ihren Kernkompetenzen gehört. Sie ist Kern- und nicht Zusatzaufgabe.
2. Führungskräfte sind die wichtigsten Kommunikatoren im Unternehmen
Studien belegen, dass Führungskräfte bei Fragen die erste Anlaufstelle für Mitarbeitende sind. Sie orientieren sich an ihren Vorgesetzten und erwarten eine transparente und zeitnahe Kommunikation zu relevanten Themen.
Deswegen müssen Führungskräfte in der Lage sein, Botschaften so zu vermitteln, dass sie von ihrer Zielgruppe verstanden werden. Denn: Eine E-Mail der Geschäftsführung informiert – die Managerin oder der Manager sorgt dafür, dass sie eingeordnet und erklärt wird. Sie beantwortet Fragen dazu. Führungskräfte kennen ihr Team und seine Herausforderung. Nur sie wissen ganz genau, wie sich eine bestimmte Maßnahme auf die Mitarbeitenden auswirkt.
Führungskräfte sind also Bindeglied zwischen Geschäftsleitung, Unternehmenskommunikation und den Mitarbeitenden. Sie sind Teil der Unternehmenskommunikation, wenn sie Botschaften klar formulieren, entsprechende Kompetenz in der Kommunikation aufweisen und sicher mit kritischen Fragen oder emotionalen Reaktionen umgehen.
Je besser Vorgesetzte kommunizieren, umso stärker ist das Vertrauen – gegenüber der Führungskraft, vor allem aber auch ins Unternehmen. Das wiederum führt zu loyalen Mitarbeitenden, die sich mit dem Unternehmen identifizieren, stolz darauf sind. Und schließlich erhöht sich die Produktivität im Unternehmen, denn motivierte Mitarbeitende tun alles dafür, einen guten Job zu machen.
3. Was Mitarbeitende von ihrer Führungskraft erwarten
In meinen Kommunikations-Workshops mit Führungskräften stelle ich immer folgende Frage: „Was erwartest du von deinem oder deiner Vorgesetzten?“ Ergebnis:
- Klarheit: Informationen werden so weitergegeben, dass ich sie verstehe. Meine Führungskraft passt sich meiner Sprache an. In mehrsprachigen Teams wird ggf. übersetzt.
- Orientierung und konkrete Information: Was bedeutet die Maßnahme für unser Team, für mich? Und was genau soll ich jetzt tun?
- Transparenz, Ehrlichkeit und Einordnung: Informationen werden unverblümt weitergegeben und es wird klar kommuniziert, was tatsächlich noch nicht bekannt ist. Es wird ehrlich kommuniziert und nichts beschönigt.
- Kontext: Das Warum wird erklärt: Warum wird eine bestimmte Maßnahme durchgeführt? So versteht ein Team Maßnahmen besser; Reaktionen werden weniger extrem ausfallen.
- Verlässlichkeit: Ich möchte mich darauf verlassen, dass meine Führungskraft ehrlich ist und zeitnah kommuniziert.
- Erreichbarkeit: Ich möchte meinem Vorgesetzten bei Bedarf Fragen stellen dürfen.
- Empathie: Werden meine Bedenken und Ängste ernst genommen?
Wichtig: Du musst nicht immer alles wissen. Fragen dürfen aufgenommen und später beantwortet werden. Idealerweise sagst du direkt, wann du wieder mit einer entsprechenden Information zum Thema zurückkommst. So schaffst du Vertrauen.
Am Ende dieser Session mache ich meinen Teilnehmenden immer bewusst, dass ihre eigenen Teammitglieder ähnliche Erwartungen an sie haben. Als Hausaufgabe dürfen sie ihre eigenen Erwartungen reflektieren, eigene Schwächen identifizieren und überlegen, woran sie künftig arbeiten möchten.
In meinen Workshops erlebe ich es immer wieder: Führungskräfte wissen natürlich, was sie kommunizieren sollen. Herausfordernd ist allerdings das Wie. Wie strukturiere ich die Informationsflut? Was ist wichtig, was kann ich weglassen? Wie bringe ich eine komplexe Botschaft auf den Punkt? Wie adressiere ich kritische Fragen? Und wie schaffe ich es, dass wir alle an einem Strang ziehen?
4. Die 5 häufigsten Fehler in der Führungskommunikation
Fehler 1: Zu viel Information, zu wenig Botschaft
Stell dir vor, du leitest ein Vertriebsteam und bekommst täglich hunderte E-Mails. Dein Team ist viel unterwegs und du leitest E-Mails einfach weiter – keine Einordnung von dir, kein Sortieren, kein Zusammenfassen. Du denkst, du bist aus dem Schneider, denn du hast ja alle Informationen weitergegeben.
Das Problem: Niemand weiß am Ende, was wirklich wichtig ist. Welche Botschaft am Ende hängen bleiben soll.
Fehler 2: Du kommunizierst in Unternehmenssprache
Meine Workshops starten immer mit einer kurzen Vorstellungsrunde. Manchmal höre ich dann Sätze wie: „Ich bin Manager am Standort FRO.“ Für die Teilnehmenden vielleicht verständlich, für mich Fachchinesisch.
Und genauso unverständlich kann deine Wortwahl bei deinen Teammitgliedern ankommen. Erschwert wird die Kommunikation oft noch dadurch, dass nicht alle Muttersprachler sind oder unterschiedliche Ausbildungen haben.
Umso wichtiger ist es, verständlich und konkret zu sprechen.
Fehler 3: Kommunikation als Einbahnstraße
Du informierst und das Thema ist für dich erledigt. Fragen lässt du nicht zu, Diskussionen schon gar nicht.
Das ist fatal. Denn als Führungskraft willst du schließlich verstehen, ob deine Botschaften ankommen. Ob das Thema verstanden wird. Du schaffst Raum für Rückfragen, gehst auf unterschiedliche Reaktionen ein.
Im Idealfall sammelst du Feedback und gibst es an Geschäftsleitung oder Unternehmenskommunikation weiter. Nur so wird sich etwas zum Guten verbessern und Vertrauen gestärkt.
Fehler 4: Du vermeidest schwierige Themen
Dir ist ein Thema unangenehm, da du vielleicht nicht zu 100 % dahinterstehst. Du wartest, verschiebst Meetings, um nicht in die Verlegenheit zu kommen, über dieses Thema zu sprechen.
Was du übersiehst: Andere haben eventuell bereits kommuniziert. Dadurch entstehen Gerüchte, Unsicherheiten. Und dir schwirrt unentwegt dieses eine Thema durch den Kopf.
Deswegen: Sprich auch unangenehme Themen so früh wie möglich an. Das gibt dir Raum für andere Themen, beugt Gerüchten vor und zeigt deinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass sie transparent und ehrlich informiert werden.
Fehler 5: Botschaft und Verhalten widersprechen sich
- Im Meeting verschränkst du deine Arme vor der Brust, willst aber Offenheit signalisieren.
- „Wir wollen mehr Transparenz“ – aber Informationen werden zurückgehalten.
- „Feedback ist uns wichtig“ – aber kritische Rückmeldungen werden nicht beantwortet oder abgeblockt.
Wenn du glaubwürdig kommunizieren möchtest, dann sorge dafür, dass deine Körpersprache und deine Wortwahl dem Handeln entsprechen.
5. Kommunikation kannst du lernen
Gute Kommunikation ist nicht angeboren – sie ist eine Kompetenz, die du wie jede andere Fähigkeit trainieren kannst. Sicherlich gibt es Menschen, denen es leichter fällt, vor Gruppen zu sprechen als anderen. Und trotzdem bin ich davon überzeugt, dass wir alle gute Kommunikatoren sind, wenn wir nur wollen.
Hier ein paar Beispiele, was genau du trainieren kannst:
- Wie bringe ich meine Botschaften auf den Punkt?
- Komplexe Inhalte auf verständliche Weise erklären
- Präsentationen erstellen/vorbereiten und halten
- Wie strukturiere ich Meetings effektiv?
- Aktiv zuhören
- Feedback geben und nehmen
- Wie du schwierige Gespräche führst und mit kritischen Fragen umgehst
- Veränderungsprozesse kommunikativ begleiten
Wirksame Workshops enthalten:
- Kurze, theoretische Inputs zum jeweiligen Thema mit konkreten Beispielen
- Übungen, Rollenspiele oder Simulationen
- Zeit für Feedback und Reflexion in der Gruppe
- Wie du das erlernte Wissen im Führungsalltag anwendest
Und genau so sind meine Kommunikations-Seminare aufgebaut.
In meinen Workshops erlebe ich immer wieder, dass Vorgesetzte bestimmte Kommunikationssituationen durchaus kennen. Erst unsere Übungen und die Reflexion machen bewusst, woran es bisher hakt.
6. Checkliste: gute Führungskommunikation in 7 Schritten
Vorbereitung ist alles. Deswegen solltest du vor jedem wichtigen Gespräch oder Meeting die folgenden Punkte durchgehen:
- Wie schaffe ich eine positive Atmosphäre, wie steige ich in das Gespräch ein?
- Wer ist meine Zielgruppe und was genau weiß sie bereits?
- Was ist meine Kernbotschaft, was möchte ich minimal/maximal erreichen?
- Warum ist das Thema relevant und wie betrifft es meine Zielgruppe?
- Was sind meine Argumente? Welche konkreten Beispiele habe ich?
- Welche Fragen und Reaktionen sind zu erwarten? An welchen Stellen könnte es kritisch oder sogar emotional werden?
- Was soll nach dem Gespräch/Meeting passieren? Was sind die nächsten Schritte?
Führungskommunikation ist niemals Nebensache. Denn mit deiner Kommunikation schaffst du Vertrauen, gibst deinen Teammitgliedern Orientierung und verbesserst die Zusammenarbeit im Unternehmen. Dabei ist es nicht wichtig, immer die perfekte Lösung zu haben. Entscheidend ist, dass du klar und authentisch kommunizierst, das Gespräch mit deinen Mitarbeitenden suchst und bereit bist, Feedback anzunehmen.
Diese Fähigkeiten kannst du lernen. Besonders wirksam ist ein Training, wenn es auf deinen Führungsalltag eingeht. Und genau hier setze ich mit meinen Kommunikations-Seminaren für Führungskräfte an. Ich verbinde theoretische Impulse mit konkreten Übungen und Situationen aus dem Führungsalltag. Denn Kommunikation lernst du vor allem, indem du sie anwendest.
Du möchtest mehr zu meinen Kommunikations-Seminaren für Führungskräfte erfahren? Dann schreib mir gerne eine E-Mail an baerbel@baerbelgerhardt.com. Ich freue mich, von dir zu hören.

