Neben meinem Business habe ich eine weitere große Leidenschaft: Das Radfahren. Seit 2012 habe ich mindestens 80.000 km mit meinem Fahrrad zurückgelegt. Ich bin mit dem Rad um die Welt gereist, nachdem ich viele Urlaube radreisend in Europa verbracht hatte: Zwischen 2012 und 2014 von Deutschland bis nach Neuseeland und über England wieder zurück. 2015 folgte eine zweite lange Radreise: dieses Mal durch Zentralasien, den Nahen Osten sowie Nordamerika. Zurück ging es 2016 über Italien.

Radfahren Kirgisistan

Son Kul Plateau in Kirgisistan auf ca. 3.200 m

Wie ich zum Radfahren gekommen bin, was mir daran so viel Spaß macht und was das alles mit meinem Business zu tun hat, erfährst du in diesem Blog.

 

Warum ich so gerne Fahrrad fahre

Meine Radgeschichte ist eine lange Liebesgeschichte. Schon als Teenager fand ich die Schulausflüge mit dem Rad am schönsten. In den Konfirmanden-Unterricht im Nachbardorf fuhren wir selbstverständlich mit dem Rad. Auch wenn das Dorf im Tal lag und wir danach unsere – wenn wir Glück hatten – Drei-Gang-Räder hinaufschieben mussten. Das war ganz normal und unsere Eltern wären nie darauf gekommen, uns mit dem Auto zu fahren.

Die Sommerferien verbrachte ich oft mit meiner Oma an der Nordsee. Dort bekam ich dann auch mein erstes heiß geliebtes Hollandrad – ohne Gangschaltung. Zuhause allerdings verstaubte es zunächst in irgendeiner Ecke. Ohne Gangschaltung kommst du mit einem 20 kg schweren Rad im Schwarzwald nicht weit.

Mit 16 erhielt ich dann von meinen Eltern ein schickes Rennrad – eine ganz neue Kategorie. Und eine Radhose dazu. Damals noch mit Ledereinsatz, den ich regelmäßig mit Nivea-Creme einschmieren musste, damit das Leder nicht zu hart wurde. Allein die Erinnerung daran… Mein Rad war nun nicht mehr nur ein Mittel zur Fortbewegung, sondern mein Sportgerät. Regelmäßig machte ich Radtouren mit Freunden, mit meinem Vater oder aber auch alleine. Und zum ersten Mal spürte ich dieses Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit. Wenn ich wollte, konnte ich damit jeden Ort erreichen.

Radfahren

Mein erster Job brachte mich nach Frankfurt am Main. Eine Großstadt wie für mein Hollandrad geschaffen. Denn die Stadt ist relativ flach und mein Rad war mittlerweile so alt und klapprig, dass ich davon überzeugt war, ich könne es überall hin mitnehmen und es würde mir nicht geklaut werden. Obwohl ich ein Auto hatte, nutzte ich es nie: entweder lief ich oder ich nahm das Rad. Zur Arbeit, ins Fitness-Studio oder in den Club. Ein Jahr ging das gut. Und dann war das Rad weg. Geklaut. Und zwar direkt vor meinem Haus. Mein Herz zerbrach.

Auch später, in Brüssel, ist das Fahrrad mein Fortbewegungsmittel erster Wahl. Ich konnte nie verstehen, warum so viele Menschen mit dem Auto in diese Stadt fahren, denn fast immer herrschte dort auf den Straßen absolutes Chaos. Teilweise kam ich selbst mit dem Rad nicht mehr durch und musste auf die Gehwege wechseln.

Radfahren in Holland

Ausflug 2010 in den Niederlanden – Räder, wenn auch gemietet, sind immer dabei

Mein Partner lebte damals noch in Amsterdam und so verbrachten wir die Wochenenden meist in den Niederlanden. Ich schaffte mir ein weiteres Rad an und entdeckte meine Leidenschaft für das Radreisen: die perfekte Kombination aus Kultur, Sport und Erholung. Wir verbrachten unsere Urlaube meist irgendwo in Europa mit dem Fahrrad. Und irgendwann merkten wir, dass uns diese drei Wochen im Jahr nicht ausreichten. Denn kaum hatten wir uns an das Radeln gewöhnt, mussten wir uns wieder auf den Heimweg machen.

Radfahren in Holland

Ein langes Wochenende zur Tulpenblüte in den Niederlanden

Und so tauschten wir im September 2012 unsere bequemen Bürosessel gegen harte Fahrradsättel, um mit den Rädern zunächst quer durch Europa in die Türkei zu radeln. Danach eine Rundreise durch den Norden Indiens, neun Monate Südostasien, um die Reise in Australien und Neuseeland abzuschließen.

 

Ich „toure“ am Liebsten

Radfahren ist nicht gleich Radfahren. Ich begeistere mich für das Touren. Also eher lange Strecken mit vielen Stunden im Sattel. Am Liebsten abseits normaler Straßen. Ich brauche keine asphaltierten Straßen, Singletrails sind aber auch nicht mein Ding. Ich bin deutlich langsamer unterwegs, halte dafür länger durch. Komischerweise traut sich kaum jemand aus meinem Bekanntenkreis, mit mir Fahrrad zu fahren. Ich höre dann immer „Ich komme dir nicht hinterher“ oder „Du bist mir zu schnell“.

Das ist natürlich alles Quatsch. Meist bin ich die Langsamste, denn ich habe Angst: vor allem wenn es bergab geht. Da kann es vorkommen, dass ich langsamer fahre als auf der Ebene. Je steiler, desto langsamer. Nur bei freier Sicht, glattem Asphalt und auf autofreien Straßen zeigt mein Tacho auch mal über 40 km/h an.

Ich fahre übrigens sehr gerne alleine oder mit meinem Partner. Warum? Weil ich dann viel Zeit zum Nachdenken habe. Oder weil ich bei anstrengenden Steigungen gerade keine Zeit zum Nachdenken habe, sondern mich auf den Anstieg konzentrieren muss – das geht alleine deutlich besser. Dann kann ich nämlich mein eigenes Tempo bestimmen, ohne mich zu unter- oder überfordern.

Radfahren Kirgisistan

Anstieg auf den höchsten Pass des Pamir-Highways in Tadschikistan

Was macht das Radfahren mit mir?

Das Radfahren ist für mich nicht mehr nur Sport und Hobby, es ist eine Lebenseinstellung. Seit 2012 habe ich kein Auto mehr und versuche, so viel wie möglich mit dem Rad zu erledigen. Lebensmitteleinkäufe finde ich mittlerweile fürchterlich anstrengend mit dem Auto, denn mit dem Rad stelle ich mich direkt vor jeden Laden und muss nicht ständig Parkplätze suchen.

Ich wohne in einem kleinen Dorf zwischen Schwäbischer Alb und Schwarzwald. Vor jedem Haus stehen mindestens zwei Autos. Jeder Meter wird mit dem Auto zurückgelegt. Zur Arbeit, zum Sport oder um auf dem Bauernhof Eier zu kaufen. Nichts geht ohne Auto. Das macht mich im Dorf zum Exoten.

Australien Radfahren

Great Ocean Road in Australien

Mein Luxus ist das Radfahren. Denn dafür brauche ich Zeit, für mich ein sehr kostbares Gut. Ich bin viel an der frischen Luft, bewege mich regelmäßig, ohne „Sport“ zu machen. Außerdem tue ich Gutes für unsere Umwelt.

Meine Fahrrad-Weltreisen haben mich auch verändert. Für mich ist das Rad nach wie vor das beste Reisemittel, um Land und Leute kennenzulernen. Ich bin unabhängig und kann mir meine Routen so zusammenstellen, wie ich das möchte. Wenn es mir irgendwo gefällt, halte ich an. Ich komme in Kontakt mit den Menschen, denn in vielen Ländern sind Radreisende ungewöhnlich. Ich höre und rieche alles. Ich schärfe meine Sinne. Und ich kann meine Naturliebe voll auskosten.

Natürlich habe ich auf meinen Radreisen auch viel Elend gesehen. Denn wir fuhren natürlich nicht nur durch die schönen und touristischen Gegenden. Heute brauche ich viele Dinge nicht mehr, die für mich früher selbstverständlich waren. Also zum Beispiel regelmäßig Klamotten oder Deko shoppen. Wenn ich in die Stadt gehe, schaue ich mir schöne Läden gerne an, weiß aber überhaupt nicht mehr, was ich mir da kaufen soll. Ich habe meine materialistische Seite fast komplett abgelegt.

Eines der ärmeren Dörfer in Rumänien

Der viele Müll ist ein weiteres Thema. Auf unserer ersten Reise waren wir noch ganz unbedarft und nutzten selbst viel Plastik, um Gewicht zu sparen. Die Müllberge hinter den armen Dörfern in Rumänien waren erst der Anfang. Indien war ein Schock. Tee wird dort sogar aus Plastiktüten getrunken. Und dann wird alles einfach weggeschmissen. Mülleimer gibt es nicht. Das Land ist ein einziger Mülleimer. Hier habe ich für mich beschlossen, künftig so wenig Müll wie nur möglich zu produzieren. Das gelingt mir mal mehr und mal weniger gut.

Müll in Indien

Müllhalde in Gurgaon (bei Delhi) in Indien hinter einem modernen Krankenhaus

Was das Radfahren für meinen Beruf bedeutet

Durchhaltevermögen ist sicherlich eine meiner größten Stärken – beim Radfahren wie auch im Business. Wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann setze ich alles daran, um dieses Ziel auch zu erreichen. Aufgeben ist für mich keine Option. Ob das nun der Pamir-Highway per Rad in Zentralasien ist oder ein kniffliges Projekt.

Pamir Highway

Ak-Baital-Pass in Tadschikistan auf 4.655 m

Vielleicht steckt da auch ein bisschen Ehrgeiz dahinter. Weil ich mir nicht eingestehen möchte, dass ich etwas nicht schaffen kann. Oder ist es eher mein Mindset, das auf Erfolg getrimmt ist? Ich möchte einfach nicht scheitern und so radle ich trotz Lebensmittelvergiftung auf über 4.000 Metern über dem Meeresspiegel weiter. Vielleicht liegt es aber auch nur an meiner Persönlichkeit: Wenn ich etwas beginne, dann schließe ich es auch ab. Gerne auf Umwegen, wenn auch nicht über Leichen. Das kann dann bedeuten, dass das finale Newsletter-Lektorat für den Kunden leider noch in meinen Urlaub fällt, aber halbe Sachen sind nichts für mich.

Auf dem Rad habe ich meist die besten Ideen für mein Business. Der Nachteil ist, dass ich sie mir irgendwo notieren muss, denn ich vergesse sie genauso schnell wieder, wie sie mir einfallen. Ich habe das Gefühl, dass die Natur und frische Luft mein Turbobooster für Ideen sind.

Vor Kurzem habe ich einen Persönlichkeitstest gemacht. Ergebnis: Ich bin pragmatisch und erledige auch Routineaufgaben sorgfältig. Das gilt für das Radfahren genauso wie für mein Business. Denn vor allem das Touren-Radfahren besteht nicht nur aus Highlights. Ich denke da nur an Alaska oder Kanada. Hunderte, ja Tausende von Kilometern durch Wälder. Immer dieselbe Landschaft, gerade Straßen und keine Menschenseele.

kanada Radfahren

Die endlosen Weiten Kanadas

Oder die Wüste im Iran – komplett verhüllt radelte ich tagelang durch die glühende Hitze. Aufgeben war auch hier keine Option. Auch die langweiligste Strecke hat ein Ende. Und die Freude ist dann umso intensiver, denn ich habe es aus eigener Kraft geschafft. Dasselbe gilt für den Job. Nicht jeder Job ist spannend. Eine Liste mit Hunderten von Namen zu überprüfen, ist sicherlich nichts, um das ich mich reiße. Aber ich tue es mir derselben Sorgfalt, wie ich meine wirklich spannenden Projekte angehe.

Iran Radfahren

Wüste im Iran

Meine Liebe zum Radfahren hat meinen Horizont erweitert. Ohne meine Radreisen wäre ich heute wahrscheinlich nicht selbstständig. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich gemeinsam mit meinem Partner vor acht Jahren den Schritt gewagt habe. Ich habe neue Kulturen kennen- und verstehen gelernt. Akzeptiere andere Meinungen ohne wenn und aber. Schätze die einfachen Dinge im Leben, die früher so selbstverständlich waren: z. B. die tägliche Dusche, eine eigene Toilette oder ein bequemes Sofa. Mein Leben ist so, wie es ist, wunderbar.

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