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Mein Juli war toll: Ich hatte Urlaub. Von meinen insgesamt sechs Wochen Auszeit war ich drei Wochen lang radreisend unterwegs.

Deswegen liest sich dieser Artikel eher wie eine Reisebeschreibung mit ein bisschen Business.

 

Abschluss Kundenprojekte und Urlaubsvorbereitungen

Am 25. Juni war mein offiziell letzter Arbeitstag. Doch wie so oft, gab es noch vorab ein paar Dinge zu regeln. Mir war nämlich wichtig, dass mein Reisegepäck in diesem Jahr ausschließlich aus Klamotten und Campingzubehör besteht. Laptop oder Tablet sollten ihren wohlverdienten Sommerschlaf antreten dürfen.

Was gab es also noch zu erledigen?

  • Aus einen E-Book einer Kundin sollte ein Buch werden und ich habe mich damit intensiv beschäftigt.
  • Vorbereitung meiner Steuererklärungen 2020 für meinen Steuerberater.
  • Meine mühsam aufgebauten Social-Media-Kanäle sollten auch während meiner Abwesenheit nicht brach liegen. Und so bereitete ich für die gesamten sechs Wochen insgesamt 12 Posts vor, um meine Community auf dem Laufenden zu halten.

Am 1. Juli war alles erledigt und ich konnte in den Urlaubsmodus übergehen. Gepackt wurde am Freitag und am 3. Juli ging’s schließlich los – per Rad. Denn ich verreise fast ausschließlich mit dem Rad – für mich und meinen Partner die schönste Art zu reisen: der Urlaub fängt sofort an, wir können Sport mit Sightseeing verbinden, anhalten, wo immer wir möchten, sind viel draußen und lernen Land und Leute besser kennen.

 

Mit dem Rad unterwegs in Österreich, Italien und Slowenien

 

Highlight #1: Unsere Route

Mit dem Zug und vollbepackten Rädern geht es zunächst nach Rosenheim.

Rückblick-juli-2-vollbepackte Räder

Nach einer Tasse leckerem Affogato (Espresso mit einer Kugel Vanilleeis) geht es endlich auf die Räder: zunächst an den Chiemsee….

Reiseimpressionen-tag-1

…bis nach Salzburg. Von dort überlassen wir die Routenbeschreibung den Schildern auf den Alpe-Adria-Radweg.

Rückblick-juli-oesterreich-collage

Ursprünglich wollten wir von Österreich nach Slowenien fahren, aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung: Es ist zu heiß, um die julischen Alpen bei über 40 Grad und Steigungen von bis zu 18 Prozent mit vollbepackten Rädern zu überqueren. Im Nachhinein war das auch gut so, denn ansonsten hätten wir wohl den schönsten Teil der Strecke verpasst: Auf einer stillgelegten Bahntrasse fahren wir in Italien durch atemberaubende Landschaften und unzählige Tunnels immer bergab. Wir kommen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

fotocollage-italien-alpe-adria-radweg

Im weiteren Verlauf der Radroute mäandern wir durchs italienische Flachland bis an die Küste in Grado. Grandios ist der erste Blick aufs heiß ersehnte Meer. Abturnend sind Campingplatz und das Städtchen an sich.

fotocollage-meer-radreisenObwohl wir zu Beginn der Ferien unterwegs sind, ist für unseren Geschmack zu viel los. Das ist nix für uns naturliebende Radwanderer und so fahren wir schnell weiter in Richtung Triest und Slowenien. Meist an der Küste entlang, durch Lagunen, teils auf stark befahrenen Straßen, weil es keine Alternativen gibt.

fotocollage-triest-slowenien

Leider finden wir an der gesamten Küste keine einsamen Flecken und machen uns durch das Hinterland auf den Heimweg. Kaum verlassen wir die Küste, wird es angenehm ruhig. Weil in Italien irgendwie nichts ohne Auto geht und gefühlt aus jedem Loch ein solches fährt, stellen wir unser Navi auf Fußwege ein. Und siehe da: Wir radeln auf einsamen Feldwegen und treffen stundenlang auf keine Menschenseele. Herrlich!

offroad-mit-dem-rad

Für den Heimweg wählen wir die Route über Bassano del Grappa entlang des Flusses Brenta. Ein Geheimtipp für Radfahrer, denn es gibt einen fast durchgängigen Radweg bis zum Caldonazzosee, den wir anstelle des Gardasees ansteuern. Irgendwie träumten wir von leeren Stränden und Campingplätzen. Auch hier werden wir eines Besseren belehrt: Noch abends liegen die Badenden Handtuch an Handtuch – man könnte meinen, eine Corona-Pandemie hätte es nie gegeben. Der See ist fest in deutscher und niederländischer Hand. Für uns ein No-Go. Trotzdem schwimmen wir, denn der See ist trotz der vielen Touristen wunderbar erfrischend nach einem heißen Radtag – und fahren am nächsten Tag wieder weiter.

impressionen-brenta-per-rad

Über Trento geht es in Südtirol über den Reschen- und Arlbergpass in Richtung Bodensee. Kurz nach dem Reschenpass mache ich wieder einmal Nahtoderfahrungen: Auf der österreichischen Seite gibt es bergab keinen Radweg mehr und wir teilen uns die Straße mit Lkws, Wohnwägen und so vielen Autos, dass die Landschaft an mir vorbeizieht, ohne dass ich sie genießen kann. Mehrere Tunnels ohne Seitenstreifen oder Gehweg, auf dem wir hätten schieben können, erhöhen den Stress und ich bin heilfroh, diese Abfahrt überstanden zu haben. In den kommenden Nächten träume ich von Passstraßen und mir graut vor dem Arlbergpass, der sich später im Vergleich als harmlos herausstellt.

fotocollage-reschenpass-arlbergpass-per-radLandschaftlich ist die komplette Route ein absoluter Traum. Es war kein Tag dabei, den wir langweilig oder gar hässlich fanden. Das gabs so noch nie. Aber wir sind auch beide absolute Italienfans und haben die meiste Zeit dort verbracht.

Und für alle Statistikfans, hier noch ein paar Zahlen:

  • Insgesamt sind wir 1.500 km geradelt.
  • Auf unserer Route haben wir 8621 Höhenmeter überwunden.
  • Dreimal sind wir im Zug gesessen: zu Beginn von Horb nach Rosenheim; Tauerntunnel (geht nur per Zug); von Konstanz nach Horb (Unwetter)
  • Ruhetage gab’s auf dieser Reise nur drei.
  • Radpannen hatten wir keine, dank super Idworx-Räder.

Ganz herzlich bedanken möchten wir uns übrigens bei Marco Rauch von Rohloff, der uns immer wieder mit Ersatzmaterialien für unsere heiß geliebte und unkaputtbare Rohloff-Schaltung sponsert.

 

Highlight #2: Das Wetter

Selten hatten wir so viel Glück mit dem Wetter. Wenn es regnete, dann fast ausschließlich in der Nacht und immer erreichten wir unser Nachtquartier vor dem Regen.

Selbst am vorletzten Tag, als es die letzten Kilometer wie wahnsinnig stürmte (natürlich von vorne), ein Unwetter drohte und die Hotel-App uns weismachen wollte, dass es in der Gegend keine Hotels gibt, taucht plötzlich ein Hotel auf, das auch noch ein Zimmer für uns hat. Pünktlich zum Einchecken geht die Welt unter und wir haben ein sicheres Dach über dem Kopf.

Wettervorhersage-grafik

Highlight #3: Die Menschen

Immer wieder treffen wir auf außergewöhnliche Menschen und kommen mit ihnen ins Gespräch.

Manches Mal wundern wir uns allerdings auch: Zum Beispiel über den Rennradfahrer, der an uns vorbeirauscht, ohne zu klingeln und ich vor lauter Schreck fast im Graben liege; über das barbusige Mädchen auf dem Rad zwischen weiteren, spärlich bekleideten Jungs – ein seltener Anblick, wenn man nicht gerade faul am Strand liegt; oder eben über die Autofahrer, die selbst auf engen Straßen und Gegenverkehr überholen müssen und uns gehörige Schrecken einjagen, weil sie natürlich nicht ausreichend Abstand einhalten können.

Und dann ärgern wir uns wieder über unsere rudimentären Italienischkenntnisse: Als wir vor einem alten Häuschen stehen und die Route beratschlagen, lugt eine sehr alte Dame aus dem Fenster und beginnt ein Gespräch mit uns. Sie ist ganz begeistert von unseren Rädern und fragt, wohin die Reise geht. Und ob wir irgendetwas bräuchten. So viel verstehe ich noch. Meine Antwort ist sehr spärlich und mir fällt lediglich „no parlo italiano“ ein. Wie schade!

Kurz vor der Mittelmeerküste treffen wir auf den radreisenden Österreicher HP. Am einzigen Tag, an dem es tagsüber für zwei Stunden regnet. Wir unterhalten uns prächtig und der Regen stört uns so überhaupt nicht. Hier schreibt HP über über seine Radabenteuer.

Collage Menschen

 

Highlight #4: Die italienischen Kleinstädte

Italiens Städte sind einfach traumhaft. Fast jedes kleinere und größere Städtchen ist eine Reise wert. Dieses Mal haben es uns Udine, Treviso und Bassano del Grappa angetan. Toll waren auch Triest und Trient.

Mich fasziniert immer wieder aufs Neue die Mischung aus Kunst, Kultur und Architektur, kombiniert mit dieser lockeren und fröhlichen Art der Italiener. Am liebsten setze ich mich in ein Café mit einem Cappuccino oder Espresso und beobachte die modisch gekleideten Menschen, die an mir vorbeiziehen. Oder abends in eine Bar mit einem leckeren Aperitif. So wunderbar!

fotocollage-städte-in-italien-triest-treviso-bassano-del-grappa

 

Und was kommt jetzt?

Erfahrungsgemäß tue ich mich nach meiner Sommerpause immer ein wenig schwer und brauche ein, zwei Wochen, um mich wieder zu organisieren. Zum Glück bleibt mir noch eine Woche, bevor es wieder rund geht.

 

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